Reizdarm / Reizdarmsyndrom

Reizdarm / Reizdarmsyndrom

Unter dem Begriff Reizdarmsyndrom bezeichnet der Mediziner eine Erkrankung bzw.
Funktionsstörung des Darms. Mitunter wird die Erkrankung auch als Reizdarm bezeichnet. Betroffene, statistisch gesehen erkranken doppelt so viele Frauen wie Männer am Reizdarmsyndrom, leiden unter immer wiederkehrenden Darmbeschwerden. Jedoch gibt es für die Entstehung der Beschwerden keine körperlichen Ursachen. Vor Jahren wurde das Reizdarmsyndrom noch als psychische Erkrankung eingestuft; heute sind die Mediziner zum Schluss gekommen, dass zahlreiche Faktoren zusammenspielen, die für die Entstehung des Syndroms verantwortlich sind. Zu den klassischen Symptomen des Reizdarmsyndroms zählen immer wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und auch Verstopfung. Der Mediziner stellt die Diagnose anhand des klassischen Beschwerdemusters sowie unter Ausschluss anderer möglicher Erkrankungen. So muss der Mediziner, bevor er sich für die Diagnose Reizdarmsyndrom entscheidet, zuerst andere Erkrankungen wie Magengeschwüre, Magen-Darm-Infekte oder auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Tumore sowie etwaige Nahrungsunverträglichkeiten ausschließen.

Welche Faktoren begünstigen das Reizdarmsyndrom?

In den letzten Jahren haben Mediziner intensiv das Reizdarmsyndrom erforscht und konnten einige Faktoren filtern, die sehr wohl für die Entstehung des Syndroms verantwortlich sind. So können psychische Einflüsse wie ständiger Ärger, Stress oder auch Infektionen und Störungen des Darmvenensystems das Reizdarmsyndrom begünstigen bzw. auslösen. Doch auch wenn mitunter einige Faktoren bekannt sind, die ein Reizdarmsyndrom begünstigen, ist noch nicht gewiss, welche Ursache tatsächlich dafür verantwortlich ist. Da die Faktoren unterschiedlicher Natur sind und das Reizdarmsyndrom eine individuelle Erkrankung darstellt, sind folgende Einflussgrößen von Relevanz:

Betroffene, die unter dem Reizdarmsyndrom leiden, haben einen scheinbar sehr empfindlichen Darm. Da der Darm über ein komplexes Nervensystem verfügt, welches für den Nahrungstransport durch den Darm verantwortlich ist und die Bewegungen der unterschiedlichen Abschnitte reguliert, kann hier sehr wohl die Problematik dahingehend auftreten, dass die Bewegungen des Darms gestört werden. So kann der Darm auf etwaige Luftansammlungen reagieren und klassische Beschwerden – etwa Bauchschmerzen – verursachen. Mitunter wurden auch Infektionen diagnostiziert, die ebenfalls eine Rolle spielen können. Auch psychischer Stress, Nervosität, Angst, Kummer oder Ärger können die Symptome des Reizdarmsyndroms verstärken. Das bedeutet zwar nicht, dass die Symptome nur „eingebildet“ werden und das Syndrom eine klassische psychische Erkrankung darstellt, sondern, dass mitunter das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren ausschlaggebend ist, die am Ende die charakteristischen Beschwerden verursachen. Lange Zeit wurde behauptet, dass auch eine falsche Ernährung – etwa eine ballaststoffarme Kost – das Reizdarmsyndrom begünstigt. Auch häufiger Alkohol- sowie Nikotinkonsum standen lange Zeit im Zusammenhang mit der Entstehung des Syndroms; jene Faktoren haben jedoch nachweislich nicht für die Entstehung eines Reizdarmsyndroms gesorgt. Aus welchen Gründen Frauen häufiger als Männer betroffen sind, konnte bislang noch immer nicht geklärt werden. Es gibt darüber auch keine Vermutungen.

Typische Beschwerden und Symptome

Typische Symptome sind starke Bauchschmerzen, ein Druck- sowie Völlegefühl und auch Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall sowie Verstopfung). Körperliche Ursachen sind jedoch nicht verantwortlich; wer an einem Reizdarmsyndrom leidet, ist im Endeffekt „körperlich gesund“. Personen, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, klagen über ständig auftretende Darmbeschwerden, welche keine organische Ursache haben.

Charakteristisch sind folgende Beschwerden:
• Bauchschmerzen
• Druckgefühl im Bauch (vorwiegend im Unterbauch)
• Völlegefühl
• Blähbauch
• Blähungen
Auch ein veränderter Stuhlgang kann auf ein Reizdarmsyndrom hinweisen. So verändert sich die Häufigkeit des Stuhlgangs bzw. auch die Beschaffenheit. Durchfall und (oder) Verstopfung sind klassische Symptome. Durchfall und Verstopfungen können durchaus auch im Wechsel auftreten, sodass einerseits der Betroffene unter Durchfall, dann plötzlich wieder unter Verstopfung leidet. Ein weiterer Hinweis, dass es sich mitunter um ein Reizdarmsyndrom handelt, ist Stuhlgang, der vorwiegen während den Nachtstunden auftritt. Betroffene klagen des Weiteren auch immer über das Gefühl einer nicht vollständigen Darmentleerung bzw. weisen auch einen imperativen Stuhldrang auf. Dabei versteht man Schmerzen sowie ein Druckgefühl, welches im Bauch lokalisiert wurde und mit starkem Stuhldrang einhergeht.
Die Beschwerden werden vorwiegend durch psychische Belastungen ausgelöst oder auch verstärkt. Wer unter Ärger, Nervosität oder Kummer leidet, wird mitunter stärkere Beschwerden haben. Auch bestimmte Nahrungsmittel können die Beschwerden verschlimmern. Die Personen klagen über schwere, mittlere sowie leichte Symptome. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, beschreibt der Patient die Intensität des Syndroms. Aus diesem Grund gibt es auch verschiedene Formen des Reizdarms:
• Typ 1: In jener Phase klagt der Patient vorwiegend über Verstopfung
• Typ 2: In jener Phase steht der Durchfall im Vordergrund
• Typ 3: Bauchschmerzen stellen die größte Problematik dar

Das Reizdarmsyndrom ist eine klassische Ausschlussdiagnose

Da unklare Beschwerden in der Bauchregion, ein ständiges Völlegefühl, Durchfall und/oder Verstopfung sowie Blähungen auch auf andere Magen-Darm-Erkrankungen hinweisen können, muss der Mediziner mehrere mögliche Erkrankungen in Betracht ziehen. Aus diesem Grund erfolgt das Reizdarmsyndrom auf Grund einer Ausschlussdiagnose. Erst wenn alle Untersuchungen keine andere mögliche Erkrankung ergeben haben, spricht der Mediziner vom Reizdarmsyndrom. Zu Beginn führt der behandelnde Arzt ein Gespräch mit dem Patienten (Anamnese). Dabei stehen die Beschwerden und mögliche Vorerkrankungen im Vordergrund. Im weiteren Verlauf folgt die körperliche Untersuchung, wobei der Mediziner den Bauch mit seinen Händen abtastet und mittels Stethoskop auf etwaige Darmgeräusche achtet. Kann der Mediziner andere Erkrankungen ausschließen, welche für die Beschwerden verantwortlich sind, kann er die Diagnose Reizdarmsyndrom stellen. Ratsam ist, dass mitunter mehrere Ärzte konsultiert werden bzw. dahingehende Fachmediziner zu Rate gezogen werden. Untersuchungen, welche im Regelfall durchgeführt werden, sind:
• Blutuntersuchungen, wobei vorwiegend auf Entzündungswerte geachtet wird
• Überprüfung der Leber-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsenwerte
• Überprüfung des Stuhls (etwa ob Blut im Stuhl enthalten ist)
• Rektale Tastuntersuchungen
• Darmspiegelung
• Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums
• Nahrungsmittelunverträglichkeitstests (etwa, ob der Betroffene Laktose- oder FruktoseIntolerant ist)
• Etwaige Überprüfung ob Nahrungsmittelallergien vorliegen

 

Lesen Sie hierzu auch die Zusammenfassung der Leaky-Gut-Studie oder aber auch unseren Blog-Eintrag zum Thema Leaky-Gut-Syndrom

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