Der gereizte Darm

Das Reizdarmsyndrom

Viele Menschen leiden unter immer wiederkehrenden Darmbeschwerden, für die keine körperlichen Ursachen erkennbar sind. Zu den Symptomen gehören immer wieder auftretende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Dieses Beschwerdebild wird medizinisch unter dem Begriff Reizdarmsyndrom zusammengefasst, umgangssprachlich wird auch vom Reizdarm gesprochen. Es leiden doppelt so viele Frauen wie Männer unter dem Syndrom. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind weiterhin unklar. Jedoch sind inzwischen die Faktoren bekannt, die das Reizdarmsyndrom begünstigen.

Wie wird das Reizdarmsyndrom diagnostiziert?

Vor einiger Zeit wurden für das Reizdarmsyndrom noch psychische Ursachen vermutet. Heute gehen die Mediziner davon aus, dass als Ursache des Syndroms zahlreiche Umstände zusammenspielen. Die genauen Ursachen sind allerdings immer noch unbekannt. Daher wird der Arzt ein Krankheitsbild als Reizdarmsyndrom diagnostizieren, wenn Folgendes zutrifft: 1. Der Patient oder die Patientin leidet wiederkehrend unter den genannten Symptomen des „gereizten“ Darms. 2. Bekannte Erkrankungen mit vergleichbarem Beschwerdemuster können ausgeschlossen werden. Das heißt, der Arzt macht eine Ausschlussdiagnose. Er schließt Erkrankungen wie zum Beispiel Magengeschwüre, entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen, Tumore und Nahrungsunverträglichkeiten als Ursache des Reizdarms aus.

Wodurch wird das Reizdarmsyndrom begünstigt?

Die Mediziner kennen zwar die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms nicht. Doch in den letzen Jahren konnten sie einige Faktoren identifizieren, die das Auftreten des Reizdarms begünstigen. So können psychische Belastungen wie ständiger Ärger, Kummer oder Stress eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie Infektionen und Störungen des Darmvenensystems. Wesentlich scheint jedenfalls zu sein, dass Patienten mit Reizdarmsyndrom einen sehr empfindlichen Darm haben, der leicht auf verschiedene Einflüsse reagiert.

Die Darmfunktion wird durch ein komplexes Nervensystem geregelt. Es beeinflusst den Transport der Nahrung im Darm und die Verdauung. Dazu muss das Nervensystem unter anderem steuern, welche Abschnitte des Darms sich wann zusammenziehen oder entspannen. Das Beschwerdemuster des Reizdarmsyndroms kann zum Beispiel auftreten, wenn die Bewegungskontrolle des Darms gestört ist. So kann der Darm etwa überempfindlich auf Luftansammlungen reagieren und sich durch Bauchschmerzen bemerkbar machen. Manchmal werden auch Infektionen des Darms diagnostiziert, die die Darmregulierung stören. Nervosität, Kummer oder Stress können das Reizdarmsyndrom verstärken. Es ist dennoch keine Erkrankung, die sich nur in der Psyche des Patienten abspielt. Stattdessen ergibt sich das Syndrom durch das Zusammenwirken verschiedener Umstände.

Früher wurde davon ausgegangen, dass falsche Ernährungsgewohnheiten das Reizdarmsyndrom begünstigen, etwa eine ballaststoffarme Nahrung. Ebenso gehörten häufiger Alkoholkonsum und das Rauchen zu den vermeintlichen Ursachen des Reizdarms. Wie inzwischen nachgewiesen wurde, sind diese Faktoren nicht ursächlich für das Syndrom verantwortlich. Völlig unklar ist weiterhin, warum deutlich mehr Frauen als Männer von dem Beschwerdebild betroffen sind.

Beschwerden und Typen des Reizdarmsyndroms

Obwohl die Betroffenen aus Sicht der Ärzte körperlich gesund sind, klagen sie über wiederkehrende Beschwerden. Das sind Bauchmerzen, ein Druck- oder Völlegefühl im Unterleib, Blähungen, Durchfall und Verstopfungen. Hierbei können Durchfall und Verstopfung auch im Wechsel auftreten.

Ebenso kann ein veränderter Stuhlgang zum Reizdarmsyndrom gehören. Es kann sich dann sowohl die Häufigkeit des Stuhlgangs als auch die Beschaffenheit des Stuhls ändern. Für manche Betroffene hat sich der Stuhlgang vorwiegend in die Nachtstunden verschoben. Ein weiteres Symptom kann sein, dass sich der Darm nicht vollständig entleert. Eventuell tritt wiederkehrend auch ein plötzlicher starker Stuhldrang auf. Er macht sich durch ein starkes Druckgefühl und Schmerzen im Bauch bemerkbar.

Alle diese Beschwerden können durch psychische Belastungen wie Stress, Kummer oder Nervosität ausgelöst oder verstärkt werden. Ebenso reagieren manche Betroffene auf bestimmte Nahrungsmittel verstärkt mit dem Reizdarmsyndrom.

Je nach dem, welche Beschwerden für eine Patientin oder einen Patienten im Vordergrund stehen, wird das Reizdarmsyndrom verschiedenen Beschwerdetypen zugeordnet:

Typ 1: Der Betroffene leidet vorwiegend unter Verstopfungen.
Typ 2: Für die Patientin ist der Durchfall das größte Problem.
Typ 3: Der Reizdarm macht sich vor allem durch Bauchschmerzen bemerkbar.

So diagnostiziert der Arzt das Reizdarmsyndrom

Grundsätzlich treten die Beschwerden des Reizdarms wie wiederkehrendes Völlegefühl, Blähungen, Durchfall und Verstopfung bei zahlreichen Erkrankungen auf. Diese Erkrankungen muss der Arzt zunächst ausschließen. Erst wenn er beim Patienten keine bekannte Erkrankung mit diesem Beschwerdebild findet, diagnostiziert er das Reizdarmsyndrom. Diese Diagnose ist daher eine sogenannte Ausschlussdiagnose.

Der Arzt beginnt die Untersuchung mit einem Gespräch, in dem er die Beschwerden, die Lebensumstände und Vorerkrankungen der Patientin kennen lernt. Danach folgt die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Bauch abtastet und sich mit einem Stethoskop die Darmgeräusche anhört.

Je nach den Vorerkrankungen und dem genauen Beschwerdebild der Patientin wird der Arzt weitere Unersuchungen veranlassen oder die Patientin zu einem entsprechenden Facharzt überweisen. Typischerweise werden folgende Untersuchungen durchgeführt:
– Bestimmung der Blutwerte im Hinblick auf Infektionen und Entzündungen
– Bestimmung der Blutwerte zu den Funktionen der Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle
– Test einer Stuhlprobe, zum Beispiel auf verstecktes Blut
– Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
– Tastuntersuchung des Enddarms
– Darmspiegelung
– Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, etwa auf eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz
– Tests auf Nahrungsmittelallergien

 

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